Die globale Gefahr durch den Geldüberfluss

Die globale Gefahr durch den Geldüberfluss

von Rob Kenius

Vortrag vom 11.02.2020 bei attac-Wuppertal

Der Inhalt meines Vortrags ist auf Attac zugeschnitten. Attac ist eine Bewegung gegen die Auswüchse der Globalisierung. Aber was hat die Globalisierung ausgelöst? Es beginnt mit der Globalisierung der Finanzen, genauer gesagt, mit der Globalisierung des Geldverkehrs.

Das war die Vorrede, ich komme direkt zur Sache.
Wenn man das Finanzsystem analysiert, kommt man zu dem Ergebnis, dass Staaten unbedingt mit Steuern eingreifen müssten. Das sagt auch der Weltökonom Thomas Piketty und es deckt sich mit den Forderungen, die attac seit Jahrzehnten stellt. Das Finanzsystem ist in seinem jetzigen Zustand eine Bedrohung für die Umwelt, für den Frieden und nicht zuletzt für alle, die nicht das große Geld besitzen, also für diejenigen, die weniger als 10 Millionen zur Verfügung haben.

Geld war vor langer Zeit einmal der Wert von Gold und Silber in Form von Münzen. Auf den Münzen stand eine Zahl und die war meistens größer als der tatsächliche Wert. Später wurden noch größere Zahlen auf Papier gedruckt.

Der amerikanische Präsident Nixon hat die Goldbindung des Dollars 1971 endgültig aufgehoben. Das war relativ spät, es ist aber doch schon 50 Jahre her. Die anderen Währungen sind fast alle an den Dollar gekoppelt. Für diese Währungen ist die Bindung an Gold damit ebenfalls aufgehoben. Für den Euro hat es sie nie gegeben.
Was bedeutet das?
Unser Geld, egal ob Euro, Dollar, Pfund, Franken oder Kronen hat keine materielle Bindung.
Geld hat nur einen Wert durch die Übereinkunft, dass es diesen Wert hat.
Geld ist an erster Stelle ein Tauschmittel, auf das man sich geeinigt hat. Auf dem Markt kann ich für Geld alles kaufen.

Geld ist weder gut noch schlecht. Es ist eine Erfindung des Menschen und es ist eine nützliche Erfindung. Noch heute gibt es Völker, die Geld nicht kennen. Millionen Menschen in Afrika haben überhaupt kein Geld und auch keine Einnahmequelle, um an Geld zu kommen.

Was ist der Vorteil, wenn Menschen Geld benutzen? Nehmen wir an, wir hätten nur den Tauschhandel. Eine Frau, die Äpfel geerntet hat, geht auf den Markt und tauscht ihre Äpfel gegen einen Hut. Dann sieht sie aber ein Kleid das ihr gefällt und will den Hut gegen das Kleid eintauschen. Die Frau, die das Kleid anbietet, findet den Hut aber nicht schick. Sie akzeptiert den Hut nicht als Tauschmittel. Der Deal kann nicht zustande kommen.
Mit Geld geht das anders: Die Frau mit den Äpfeln verkauft ihre Äpfel gegen Geld und kann mit Geld auf dem Markt alles kaufen, was sie bezahlen kann. Es kommt nur auf den Preis an. Geld wird von allen akzeptiert und es wird von allen zum gleichen Wert akzeptiert.
Niemand sagt, deine Euros finde ich aber nicht so toll. Euro ist Euro, Dollar ist Dollar, es kommt auf die Zahl an. Die Frage ist immer, wie viel?

Lebensmittel, Kleidung, Möbel, Autos, Häuser, alles ist auf dem Markt für Geld zu haben. Da kann der Eindruck entstehen, dass Geld mehr wert ist als andere Sachen. Dieser Eindruck ist falsch. Geld hat nur die Funktion als universelles Tauschmittel. Es repräsentiert keinen höheren Wert. Wenn ich für 20 Euro ein Buch oder ein Hemd kaufe, dann sind mir die Sachen mehr wert als der blaue Geldschein.

Weil man Geld so bequem gegen alles eintauschen kann, wird der Wert des Geldes überschätzt. Dass die Finanzleute es so hoch einschätzen ist logisch, sie leben davon. Der Fehler ist, dass auch Politiker Geld so hoch einschätzen. Sie finden es einfach, Politik mit Geld zu machen. Sie schieben Milliarden hin und her, genau wie die Superreichen und behaupten dann, dass sie etwas geleistet hätten. Aber, wenn das eine Leistung war, dann kommt die Leistung von den Bürgern, die Steuern zahlen. Das Verteilen von Geld ist keine besondere Leistung. Politiker leisten nichts, wenn sie unser Geld ausgeben.

Es gibt auch Dinge, die mehr wert sind als Geld. Zum Beispiel die Luft, die wir atmen, und die gesamte Umwelt in der wir leben.
Der höchste Wert, den man für Geld nicht kaufen kann, ist das Leben selbst. Das Leben auf diesem Planeten steht als Wert weit über dem Geld, auch das Leben von Tieren und Pflanzen.

Eigentlich weiß jeder, was Geld ist, aber es lohnt sich genau hinzuschauen. Geld wird durch wenige Eigenschaften gekennzeichnet. Das Schwierige dabei ist: Diese Eigenschaften sind abstrakt. Die großen Zahlen, die Milliarden, sind besonders abstrakt. Es sind Zahlen die keiner mehr zählen kann. Kürzlich habe ich das mal ausgerechnet. Man braucht 155 Jahre, 365 Tage im Jahr, Tag und Nacht, um bis eine Milliarde zu zählen. Aber die Zahl ist beim Geld entscheidend.

Die erste Eigenschaft des Geldes ist: Geld ist eine Zahl. Man nennt diese Zahl auch den Betrag. Es kommt immer auf die Zahl an. Eine Zahl auf Münzen, eine Zahl auf Geldscheinen, eine Zahl auf dem Konto. Bei Auktionen gelten sogar mündlich gesprochene Zahlen und Gesten als Geld, ein bindendes Gebot.
m 21. Jahrhundert, sind aber die größten Mengen an Geld nur Zahlen auf einem digitalen Speicherplatz.

Die zweite Eigenschaft des Geldes ist Beweglichkeit. Geld muss sich leicht von einem zum andern bewegen oder transferieren lassen. Deshalb sind Hinkelsteine, aber auch Knete und Moos, nicht als Geld geeignet, Zahlen aber wohl.

Jetzt greift die moderne Technik ein. Digital gespeicherte Zahlen kann man in Millisekunden um den Globus schicken, durch Drähte, per Funk, über Glasfaserkabel, mit Lichtgeschwindigkeit. Geld ist so beweglich wie jede digitale Information. Viel beweglicher als Münzen oder Papier und viel beweglicher als Menschen.

Die digitale Beweglichkeit des Geldes hat die Möglichkeit für die große Globalisierung geschaffen. Wer genug Geld hat, kann mit einem Mausklick Millionen transferieren. Dann werden irgendwo Wälder abgeholzt und es entstehen Fabriken oder Plantagen. Menschen werden mit Geld angelockt, um dort zu arbeiten. Aber wenn es um das Bezahlen der Arbeitskräfte geht, ist das Geld wieder knapp.

Das große Geld dient nicht den Menschen, sondern es dient der Wirtschaft. Und wozu dient die Wirtschaft? Die Wirtschaft dient vorzugsweise der Vermehrung von Geld.
Da beißt sich der Hund in den Schwanz: Geld dient der Vermehrung von Geld. Es ist absurd und doch wird es so überall praktiziert. In der Finanzwirtschaft wird Geld an erster Stelle zum Geldverdienen eingesetzt.

Die Beweglichkeit des Geldes treibt die Globalisierung voran, und es verbreitet sich gleichzeitig die Ideologie der Finanzwelt, nämlich dass der Sinn des Wirtschaftens die Vermehrung von Geld ist. Dabei ist Geld superflüssig und es kreist um den Globus in Form digitaler Zahlen.
Wozu?
Damit es mehr wird.

Die Zahl, die Geld bedeutet, hat auch eine Maßeinheit und Geld hat nicht nur eine Einheit. Es gibt verschiedene Währungseinheiten, zum Beispiel Dollar oder Euro. Und noch viele andere.

Geld wird also definiert durch seine Zahl, seine Beweglichkeit und eine Währungseinheit. Die Währungseinheit bestimmt den Wert auf dem Markt. Ein Euro ist ungefähr soviel wert wie ein halber Liter Rotwein. Das kann schwanken. Die meisten Währungen verlieren langsam ihren Wert, so langsam, dass wir es nicht merken. Schleichende Inflation.

Zum Geld gehört aber noch eine Eigenschaft, die nicht so leicht zu erkennen ist. Ich nenne sie die Akzeptanz.

Der Besitz von Geld hat nur dann einen Wert, wenn dieses Geld von anderen akzeptiert wird, am besten von sehr vielen oder von allen. Geld, das nicht akzeptiert wird, ist zum Beispiel das Spielgeld beim Monopoly, es hat schon keinen Wert mehr an der Kasse im Spielzeugladen.

Die Akzeptanz des Geldes hat verschiedene Ebenen.
Es kommt dabei auch immer auf diejenigen an, die Geld als Bezahlung annehmen, nicht nur auf diejenigen, die mit ihrem Geld klimpern, und meinen, alles bestimmen zu können, weil sie Geld haben oder weil sie Politiker sind und über das Geld der Steuerzahler verfügen.

Was zunächst akzeptiert werden muss, ist die Währungseinheit. Wenn Chinesen isländische Kronen nicht akzeptieren, weil sie die nicht kennen, dann haben isländische Kronen in China keinen Wert.

Das ist auch das Problem mit den Kryptowährungen. Der Bitcoin wird nicht allgemein als Währung akzeptiert. Man will nicht akzeptieren, dass Bitcoins per Zufall an Besitzer schneller Computer zugeteilt werden.
Außerdem kann man Bitcoins nicht zu einem festen Kurs umtauschen. Der Wert des Bitcoin ist wie der einer Aktie vom täglichen Handel abhängig. Wenn ich Bitcoins als Zahlungsmittel annehmen will, muss ich mich erst über den aktuellen Kurs informieren. Es gibt also vernünftige Gründe, warum Bitcoins nicht allgemein als Geld akzeptiert sind, und Akzeptanz kann man nicht erzwingen.

Das zweite, das beim Bezahlen mit Geld neben der Währungseinheit akzeptiert werden muss, ist die Höhe des angebotenen Geldbetrags, also die Zahl. Wird der Betrag als zu gering erachtet, dann hat das angebotene Geld für dieses Geschäft keinen Wert.

Akzeptanz der Zahl bedeutet auch, dass diejenigen, die Löhne und Gehälter bekommen, den Betrag für ihre Leistung akzeptieren müssen. Wenn sie den Lohn nicht akzeptieren, nehmen sie den Job nicht an. Wenn sie ihn bereits angenommen haben, können sie streiken.
Das Streikrecht ist also kein großzügig gewährtes Sonderrecht, sondern es liegt einfach daran, dass Arbeit mit Geld bezahlt wird. Genau wie beim Verkauf von Äpfeln muss der Betrag des angebotenen Geldes akzeptiert werden.

Außerdem muss noch etwas Grundsätzliches geklärt sein.
Wenn dir jemand Geld bietet, um vor Gericht eine Aussage zu machen, dann ist das ein Bestechungsversuch. Die meisten Menschen lehnen das ab. Wenn ein Mann einer Frau Geld anbietet, um Sex zu haben, geht es um Prostitution. Die meisten Frauen wollen das nicht.
Das sind Härtefälle, aber es gibt auch eine riesige Grauzone, weil Menschen sich durch Geld beeinflussen und verführen lassen.

Politiker versprechen weniger Steuern, steigende Löhne, höhere Renten, sie versprechen uns mehr Geld. Warum tun sie das? Damit wir ihre Partei wählen. Man will damit unser Wahlrecht kaufen und das sollten wir prinzipiell ablehnen. Wir sollten solche Geldversprechen von Politikern nicht als Argument für die Wahl akzeptieren.

Auf der anderen Seite versucht die Wirtschaft, unsere Politiker mit Geld zu beeinflussen. Das ist anrüchig und es gibt Mauscheleien. In Deutschland ist die Grauzone im Bereich von Wirtschaft, Politik und Lobby sehr ausgedehnt. Parteispenden sind erlaubt, auch sehr hohe.
Das Geld bewegt sich in die Taschen von Politikern, und dann in Bereiche, wo es es keine Rolle spielen sollte. Wenn das akzeptiert wird, ist demokratische Politik nicht mehr möglich.

Akzeptanz ist seit 1971 die einzige Begründung für den Wert des Geldes.
Geld hat keine materielle Basis mehr, also keine Bindung an Gold. Nur weil wir alle es akzeptieren, hat Geld einen Wert. Wir alle sind am Wert des Geldes beteiligt. Das Geldsystem gehört nicht den Banken un der Finanzwelt, es gehört uns allen; denn es funktioniert nur, weil wir alle mitmachen.

Akzeptanz gehört zum Geld wie die Achse zum Rad.
Sie schränkt die Bewegung und die Macht des Geldes ein. Wenn wir Geld weniger als Verlockung akzeptieren, dann wird die Macht der Finanzwelt kleiner. Wir haben einen Einfluss auf die Macht des Geldes. Wir können diese Macht begrenzen, indem wir uns vom Geld und vom Konsum, nicht so einfach verführen lassen.

Was Geld in unserer Gesellschaft wert ist, welche Macht es hat, bestimmen wir alle mit. Das überrascht vielleicht einige, aber, stellen wir uns einmal vor, es gäbe nur den Finanzmarkt und niemanden, der für Geld arbeitet und auf dem realen Markt für sein Geld etwas kauft. Die Finanzleute wären allein und nur unter sich.
Dann hätte ihr Geld fast keinen Wert.

Wir haben jetzt ausführlich geklärt, was Geld ist und welche Funktion es haben soll, aber das alles sagt noch nichts über die Vorgänge in der globalen Finanzwirtschaft.
Da geht es um sehr große Zahlen und fragwürdige Spielregeln.
Es geht um Vorgänge, die viele nicht durchschauen und die niemand richtig unter Kontrolle hat. Dadurch sind globale Geldgeschäfte für die meisten Menschen bedrohlich geworden.

Es fängt damit an, dass Geld, obwohl es ein Tauschmittel für reale Dinge ist, eine Eigenschaft von reinen Zahlen angenommen hat: Zahlen kann man mühelos vergrößern. Ich kann sie multiplizieren oder einfach hinten eine Null anhängen. Das kann jedes Kind.
Aber große Zahlen bezeichnen große Mengen, auch beim Geld. Die Finanzwirtschaft hat in den letzten vierzig Jahren die Zahlen, die Geld bedeuten, immer weiter vergrößert.
Das bedeutet: Die Geldmenge wurde drastisch erhöht.

Die globale Geldmenge ist jetzt so groß, dass ein Drittel des vorhandenen Geldes ausreichen würde, um alle Güter zu kaufen und alle Leistungen, die erbracht werden, alle Löhne und Gehälter zu bezahlen. Dafür würde ein Drittel des Geldes ausreichen. Das hat Prof. Bontrup so abgeschätzt, der auch schon einen Vortrag hier gehalten hat. Es deckt sich mit den Schätzungen vieler Ökonomen.

Zwei Drittel des vorhandenen Geldes sind damit überflüssig.
Wenn jemand alles Geld der Welt hätte, und alles kaufen würde, was auf den Markt kommt, und alle, die etwas für Geld leisten, zum bestehenden Tarif bezahlen würde, dann hätte er noch 60% bis 70% des Geldes übrig. Dieses Geld wäre Abfallgeld, er könnte es wegwerfen.
Dies ist natürlich nur ein Gedankenspiel.

Da stellt sich die entscheidenden Frage: Wer bestimmt die Geldmenge und wie entsteht sie? Die meisten Leute glauben, dass der Staat das Geld ausgibt und die Menge bestimmt. Aber das ist nicht so. Die Geldmenge wird in den meisten Ländern nicht vom Staat bestimmt, sondern von Banken, an erster Stelle von der Notenbank oder Zentralbank, aber auch von privaten Banken.

Das muss man erst mal langsam runter schlucken. Es bedeutet nämlich:
Private Banken erzeugen Geld.

Wir kommen jetzt zu einem Punkt, der bis vor kurzer Zeit noch unbekannt war. Die girale Geldschöpfung.
Inzwischen ist das Thema ein wenig publik geworden.
Einige von Euch wissen schon, worum es geht. Trotzdem muss ich es noch einmal erklären; denn ohne diesen Vorgang kann niemand den Geldüberfluss verstehen.

Also, wie entsteht Geld und was haben Banken damit zu tun?

In Italien gab es schon Banken in der Zeit, als Amerika entdeckt wurde. Nehmen wir eine ganz normale Bank in Italien. Ein Ehepaar namens Zamparoni geht zur Bank. Beide Ehepartner sind voll beschäftigt, und sie wollen einen Kredit aufnehmen, um eine Wohnung zu kaufen.
Kein Problem, sagt die Bankangestellte, gemessen am Einkommen, kann die Bank ihnen 100.000 Euro locker bewilligen. Und was geschieht dann?

Die Bank gibt eine Gutschrift auf ein Konto, ein Konto bei dieser Bank, und sie belastet das Ehepaar Zamparoni mit der Schuld in gleicher Höhe, plus der vereinbarten Zinsen.

Man glaubt, die Bank verleiht damit Geld, das sie besitzt oder, das Kunden dort eingelegt haben. Aber das ist nicht so. Banken vergeben Kredite, über Geld, das sie gar nicht haben. Die Gutschrift auf dem Konto ist eine Verpflichtung der Bank, jeder Zeit Geld auszuzahlen. Die Schuld des Ehepaars ist ein Posten zu Gunsten der Bank. Die Bilanz der Bank ist damit ausgeglichen. Sonst passiert nichts. Die Bank braucht dieses Geld, das sie als Kredit vergibt, nicht zu besitzen.

Kreditvergabe in dieser Form ist aber nicht die Ausnahme, sondern es ist die Regel. Fast alle Banken geben Kredite in einer Gesamtmenge, die das Vermögen der Bank um das zehnfache bis hundertfache übersteigt.
Weil das so ist, wird viel von Bankenkontrolle geredet; denn das Verfahren ist ausgeartet. Kontrolle findet aber nicht statt. Banken geben zu viele Kredite und sie geben leichtfertige Kredite, an fragwürdige Kunden.

Wir kennen das von der Pleite bei Schlecker. Deutsche Banken gaben Herrn Schlecker noch hundert Millionen an Kredit, als die Firma schon pleite war.Das ist Konkursverschleppung. Familie Schlecker wurde dafür bestraft, die Banken aber nicht.

Wenn eine Bank 100 mal soviel an Kredit ausgegeben hat, wie sie an Eigenmitteln besitzt und nur etwas mehr als 1% dieser Schuldentitel fallen aus, also ein hundertstel, dann ist die Bank schon in den roten Zahlen. Wenn eine Bank zu leichtsinnig ist, geht sie selber pleite, sie kann die Guthaben auf den Konten nicht mehr auszahlen.

Warum der Staat dann Banken, die pleite sind, wie die Commerzbank vor 11 Jahren mit 16 Milliarden an Steuergeldern rettet, das kann ich euch nicht erklären. Da müsst ihr die Politikerinnen fragen. Warum rettet man nicht Buchhandlungen oder Blumenläden oder Kinos und Musik-Clubs?

Die Banken vergeben tagaus, tagein Kredite, über Geld, das sie nicht besitzen. In diesem Fall war es eine Gutschrift auf das Konto des Ehepaars Zamparoni, in Höhe von 100.00 Euro. Diese Gutschrift ist nicht mit Geldreserven gedeckt, aber die Zahl 100.000 ist echtes Geld.
Es ist nicht nur Buchgeld, wie viele sagen. Das Geld, das als Kredit auf diesem Konto steht, fließt in die freie Wirtschaft und ist von anderem Geld nicht zu unterscheiden.

Die 100.000 Euro aber waren vor dem Kreditgeschäft nirgendwo vorhanden. Die Bank hat also Geld von sich aus erzeugt. Diesen Vorgang nennt man Geldschöpfung, girale Geldschöpfung. Im Klartext ist das die Erschaffung von Geld aus dem Nichts.

Wenn man dann die Kredit-Gutschriften auf allen Konten einer Bank mit dem Vermögen dieser Bank vergleicht, dann sieht man schnell, dass die Kredite ein Vielfaches davon sind. Finanzbehörden haben das Recht, die Banken zu überprüfen, und sie tun es auch gelegentlich. Je nach Land und Finanzminister dürfen Banken aber das zehnfache bis hundertfache ihres eigenen Vermögens an Krediten ausgeben.

Private Banken in fast allen Ländern können so Geld erschaffen und damit die globale Geldmenge vergrößern. Sie können sich aber nicht selber Geld in die Tasche schieben, sondern nur in Form von Krediten an Schuldner, die das Geld plus Zinsen zurückzahlen sollen. Die Banken verdienen an den Zinsen und die Bankangestellten bekommen Provisionen.

Es ist klar, dass damit die Banken ein aktives Interesse an der Vergabe von Krediten haben, sie vergrößern damit ihr Volumen und ihre Einnahmen. Banken treiben aus eigenem Interesse Privatleute, Wirtschaft und Staaten in Schulden.
Von Politikern und Journalisten wird das Schuldenmachen oft als ein positiver Impuls angesehen. Aber durch Kreditvergabe wird die Geldmenge vergrößert.
Und die Menge der Schulden wird wegen der Zinsen und Zinseszinsen größer als die Geldmenge.

Das zeigt uns ein ganz einfaches Gedankenmodell.

Stellen wir uns vor, wir hätten ein Geldsystem, das nur 1000 Taler enthält. Die arme A, wie Annegret, hat nichts und der Baron B hat alle 1.000 Taler. A will sich von B 100 Taler leihen. B gibt ihr die 100 Taler und verlangt 5% Zinsen.
A hat jetzt 100 Taler und B hat noch 900 Taler.
Nach einem Jahr will B aber 105 Taler zurück haben. Und wir fragen ganz naiv: Woher soll Annegret die 5 Taler zusätzlich zu den 100 Talern nehmen, wenn es nur 1000 Taler gibt und der Baron noch 900 davon hat? Da fehlt Geld.

Das zeigt uns auf einfache Weise, dass mit dem Postulat von Zinsen die Geldmenge nicht ausreicht, um die Schuld zu tilgen. Die Geldmenge im System muss wachsen, um die Zinsen zu zahlen, und die Schulden wachsen höher als die Geldmenge.

Das Ergebnis nach 500 Jahren Kreditwirtschaft sieht düster aus, nicht nur in Italien: Schon lange können die globalen Schulden nicht mehr getilgt werden. Würde man einen Kassensturz machen, wären fast alle Banken und die meisten Staaten pleite. Deshalb wird immer mehr Geld in das System hinein gepumpt, damit die globale Überschuldung nicht auffliegt. Und deshalb warnen viele vor einem baldigen Zusammenbruch des Systems.

Am meisten verschuldet sind Staaten und damit die normalen Bürger, auch wenn sie nie einen Kredit aufgenommen haben. Bei uns in Deutschland liegt die gesamte Verschuldung bei 38.000 Euro pro Kopf, Säuglinge, Kinder, Rentner und Hartz4-Empfänger mitgerechnet.

Die nächste Tatsache, die wir zur Kenntnis nehmen müssen, ist folgende: Niemand hat die globale Vermehrung von Geld und Schulden unter Kontrolle. Geldschöpfung wird praktiziert durch eine unüberschaubare Zahl von Baken. Die Einschränkungen, die von den Staaten gemacht werden, sind fast lächerlich. In der Schweiz, die ja als besonders solide gilt, dürfen Banken nur das zehnfache ihres eigenen Kapitals an Krediten vergeben. Nur das Zehnfache!

Wie viele Kredite vergeben wurden und damit, wie viel Geld es gibt, kann niemand genau ermitteln. Es müsste ein globales Register geben. Dann wüsste man die Zahl der gesamten Geld- und Schuldenmenge genauer, aber man hätte die Vermehrung von Geld und Schulden nicht unter Kontrolle.

An der Spitze dieser Geldvermehrung steht die US-Notenbank. Sie ist in privater Hand. Die FED, manche sagen auch das FED, weil FED ein System von Zentralbanken bezeichnet, FED gehört einem Konsortium von Privatbanken, nicht dem amerikanischen Staat. FED bestimmt aber, wie viel Kredit die US-Regierung erhält, und die FED hat damit jede US-Regierung voll im Griff.

Deshalb hat man zu Beginn der Regierungszeit von Obama und auch von Trump die Kredite eine Zeit lang gesperrt, bis die Regierung ihre Angestellten nicht mehr bezahlen konnte. Damit wurde den frisch gewählten Präsidenten gezeigt, wer beim Geld das Sagen hat.

Die FED kann so viele Dollars erzeugen und auch drucken, wie sie will. Im Gegenzug bekommt die Regierung fast unbegrenzten Kredit. Und ich glaube nicht, dass diese Staatsschuld der USA jemals zurückgezahlt werden soll. Nur die Zinsen fließen immer in Richtung der Geldbesitzer.

Die größte Geldvermehrung, die jedes Jahr stattfindet, ist der Kredit der US-Notenbank an die amerikanische Regierung. Im Jahre 2019 handelte es sich um eine Billion Dollars. Eine europäische Billion, das sind 1.000 Milliarden oder eine Million Millionen. Kann sich jemand diese Geldmenge vorstellen?

Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Überall auf der Welt wird laufend von privaten Banken durch Vergabe von Krediten mehr und mehr Geld erschaffen.
Was ist das Ergebnis? Das Ergebnis ist, wie schon gesagt, es gibt viel zu viel Geld auf der Welt. Das ist kaum zu glauben, weil ja die meisten Menschen immer zu wenig Geld haben. Es ist aber eine Tatsache, die jeder zur Kenntnis nehmen muss. Die Geldmenge ist viel zu groß und dieses Geld ist superflüssig auf dem ganzen Globus.

Hinzu kommen noch Derivate, das sind spezielle Wettpapiere, die wie Geld gehandelt werden, und noch einmal wenigstens das Dreifache der Geldmenge ausmachen.
Mit Derivaten zusammen ist der Finanzverkehr etwa 10 mal so groß wie die Realwirtschaft. Da kann einem schon schwindelig werden.

Wir haben also folgende Situation:
Geld kann in Form von Zahlen durch Glasfaserkabel in Millisekunden um den Globus schwappen, bei Tag und bei Nacht. Dieser ungeregelte Geldfluss wird bewegt von einer unüberschaubaren Zahl von Akteuren, die teils rational, teils irrational handeln.
Einige haben gute Absichten, die anderen sind reine Egoisten. Viele durchschauen das globale Finanzsystem, andere verstehen es nicht, sie haben nur Geld in der Hand und richten sich nach dem, was die anderen machen. Viele von ihnen halten sich an Gesetze, andere halten sich nicht an Gesetze.

Es gibt keine Grenzen. Auch keine Geschwindigkeitsbeschränkung für den Finanzverkehr.
Ein Computer kann eine Aktie in Hongkong kaufen und eine Millisekunde später in Frankfurt verkaufen und macht dabei einen Gewinn und das tausend mal in der Sekunde.

Es gibt keine Möglichkeit für Staaten, diesen Geldfluss zu kontrollieren, man kann das Geld auch nicht lokalisieren, denn es gibt so viele Finanzoasen.

Um das globale Finanzsystem im 21. Jahrhundert zu verstehen muss man sich vier Tatsachen vor Augen halten:

1. Die Geldmenge ist dreimal so groß, wie benötigt.

2. Die Geldmenge steigt weiter durch Kreditvergabe und Schuldenaufnahme, besonders durch Staatsschulden.

3. Das Geld ist global so beweglich wie Daten in einem Prozessor.

4. Die Finanzmacht ist außer Kontrolle der Staaten und sie hat auch keinen Mechanismus, sich selbst zu kontrollieren.

Das sind Tatsachen, nicht Meinungen eines umstrittenen Autors und es ist auch keine Verschwörungstheorie. Denn es ist nicht so, dass eine verschworene Clique dahinter steckt. Es ist ein unüberschaubarer Haufen von Akteuren: Banker, Finanzmakler, Großinvestoren, Fonds-Manager, Spekulanten, Betrüger und viele ahnungslose Politiker.

Wenn wir das erst einmal zur Kenntnis genommen haben, können wir verstehen, was in der Finanzwelt Sache ist.
Z. B., dass es keine Zinsen mehr auf Geldeinlagen geben kann. Wenn Geld in solchem Überfluss vorhanden ist, warum sollte jemand der Oma Zinsen dafür zahlen, dass sie ihr Geld auf ein Sparkonto eingezahlt hat?

Die Null-Zins-Politik der EZB ist völlig selbstverständlich, wer dagegen argumentiert, weiß entweder nicht Bescheid oder er will den Leuten etwas vormachen. Manche Politiker stellen einfach die Forderung auf, dass die Zinsen 2% sein sollen. Das ist Unkenntnis oder Populismus oder beides.
Wir fragen uns jetzt: Was kann die Finanzwelt mit dem überschüssigen Geld machen?
Es sind viele Billionen, also Millionen Millionen, das ist eine Zahl mit 13 Stellen vor dem Komma! Niemand will Geld entsorgen. Es gibt auch keine Abfalltonne für Geld. Man will es anlegen. Aus der riesigen überschüssigen Geldmenge erklärt sich, was an der Börse abgeht.

Die Aktien steigen seit 10 Jahren ständig, weil die Geldmenge steigt und weil die Geldbesitzer verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten suchen. Jede noch so fragwürdige Geschäftsidee kann an der Börse verkauft werden.
Firmen, die noch nie Gewinn gemacht haben, werden groß an der Börse gehandelt. Zum Beispiel Uber, Tesla und andere. Es werden Firmen gegründet, die gar nicht das Ziel haben, Gewinne zu machen. Sie haben nur das Ziel, groß und bekannt zu werden und dann mit Getöse an die Börse zu gehen.
Ein Teil der Aktien bleibt dabei im Besitz der Gründer. Die Firmengründer werden dann erst durch die Bewertung an der Börse zu Milliardären, obwohl sie bisher kein Geld verdient, sondern immer mehr Kredite aufgenommen haben.
Dieses Spiel haben Jeff Bezos und Mark Zuckerberg vorexerziert. Sie sind die großen Helden der Start-Up-Szene.

Spekulation mit den Aktien kann aber daneben gehen. Die Börse kann fallen, einbrechen und abstürzen. Schnell entsteht Panik, wenn Leute mit geliehenem Geld spekulieren.
Wenn der Wert der Aktien unter die Kreditsumme fällt, können die Spekulanten den Kredit nicht mehr durch den Verkauf ihrer Aktien zurückzahlen und geraten in Panik.
Das Spekulieren mit geliehenem Geld hat vor 90 Jahren zum größten Crash der Geschichte geführt. Der Schwarze Freitag.
Wegen der niedrigen Zinsen wird aber wieder viel mit geliehenem Geld spekuliert.

Wie agiert der Finanzmarkt?
Die Großgeldbesitzer wissen längst, dass es zu viel Geld im Markt gibt und die Kurse der Aktien zu hoch sind. Man versucht deshalb, das überschüssige Geld in festen Werten anzulegen, Werte, die fester sind als Aktien und Anleihen.

Diese festen Werte sind Immobilien. Deshalb ist ein weltweiter Run auf Immobilien in Gang gekommen.
Am interessantesten sind auf dem Immobilienmarkt große Wohnhäuser, in denen viele Menschen wohnen, die nicht weg können. Wenn Büros und Fabriken nicht gebraucht werden, Wohnungen werden immer gebraucht und die Finanzwelt versucht dringend an Wohnhäuser zu kommen. Das sind keine Investitionen mehr, sondern Grabsch-Käufe.

Es ist wie mit den Aktien, je mehr Geld da ist, desto höher steigen die Kurse, das sind auf dem Wohnungsmarkt die Immobilienpreise und dann auch die Mieten in Städten wie Berlin, Hamburg und München. Man muss bedenken, dass Geldanleger an der Börse von Tokio oder Singapur höchstens drei oder vier Städte in Deutschland kennen.
Vielleicht kennen einige auch Wuppertal wegen der Schwebebahn und dann steigen auch hier die Mieten.

Wären Immobilien so leicht zu erwerben wie Aktien, per Mausklick, würden die Preise täglich in die Höhe schnellen und bald wären alle Häuser und Grundstücke im Besitz der Finanzwelt.
Leider greift der Staat auch hier nicht ein. Man müsste den Erwerb von Land und Häusern durch anonymes, globales Geld sofort stoppen und zwar schnell.

Die Finanzmacht investiert ihr überschüssiges Geld auch gerne in andere Bereiche, die so unentbehrlich sind wie Wohnungen, zum Beispiel Krankenhäuser und man hätte auch gerne die deutschen Autobahnen. Dahinter steckte die größte deutsche Kapitalgesellschaft, die Allianz mit Sitz in München. In München residiert auch die CSU, die seit mehr als 60 Jahren Bayern regiert, und die CSU hat den Verkauf der Autobahnen über den Koalitionsvertrag eingeleitet. Das ist ein Hinweis auf diesen schummerigen Graubereich der Politik.

Man investiert bevorzugt in die Bereiche der realen Wirtschaft, wo Menschen nicht nein sagen können, auch in die Konsumwirtschaft, am liebsten bei Essen, Trinken, Kleidung. So entsteht Druck auf die Konsumenten: Mehr essen, mehr trinken, mehr Klamotten kaufen. Das Überangebot an Waren, an Reklame und an bunten Verpackungen entspricht dem Überangebot an Geld.

Das in Überfluss vorhandene Geld ist auf dem Finanzmarkt wenig wert. Es erzeugt überflüssige Konsumprodukte, die ebenfalls wenig wert sind. Man erkennt diese Produkte daran, dass sie unglaublich bequem zu haben sind. Sie springen dir in der Fußgängerzone, und auf Plakatwänden überall entgegen und auf Milliarden Reklameseiten im Internet.

Die Schuld daran, dass die Umverteilung nicht an der richtigen Stelle unterbrochen wird, haben Staaten und Regierungen. Sie kassieren ihre Steuern nicht in der Finanzwelt, wo am meisten Geld fließt, sondern von den Normalbürgern, also von der Mehrheit, die sie gewählt hat.
Eigentlich müsste der Staat, gemessen am Volumen, dreimal soviel Steuern in der Finanzwelt kassieren wie in der realen Wirtschaft.

Am meisten belastet der Staat alle, die Lohn oder Gehalt empfangen. Sie zahlen Lohnsteuer oder Einkommensteuer plus Sozialabgaben. Das ist für die Staatsorgane einfach, da kann man leicht zugreifen und es kommt einiges zusammen, weil Millionen Menschen für Geld arbeiten.

Einen ähnlichen Effekt hat auch die Mehrwertsteuer. Die Mehrwertsteuer belastet am meisten diejenigen, die ihr ganzes Geld ausgeben, nicht diejenigen, die es in die Finanzwirtschaft stecken. Auf Aktien gibt es keine Mehrwertsteuer.

Die Mehrwertsteuer belastet außerdem Handel und Gewerbe. Von denen wird die Steuer für den Staat kostenlos einkassiert und man muss gegenüber den Kunden immer eine Leistung bringen, die den Endpreis rechtfertigt. Wer für ein Essen im Restaurant statt 30 Euro 35,70 Euro bezahlen muss, verlangt mehr.

Die Erhöhung der MWSt von 16% auf 19% im Jahre 2007 wurde von der GROKO Merkel.1 beschlossen. CDU und SPD haben damals ihre Wähler, die Wähler der Mitte, verraten, weil sie die Finanzen der Großgeldbesitzer nicht antasten wollen.

Das Verhältnis von Staat und Finanzmacht ist sehr speziell. Es gibt viele Privilegien für die Banken, zu große Freiräume und den Verzicht auf angemessene Besteuerung.
Unsere Regierung fördert so die Umverteilung von unten nach oben. Die übergroße Geldmenge ist ein Ergebnis der Kreditvergabe durch private Banken. Das müsste der Staat durch Gesetze eindämmen. Zum Beispiel dadurch, dass nur die Zentralbank Geld erzeugen darf.

Die Anhäufung des Geldes auf wenige Großgeldbesitzer ist das Ergebnis zu geringer Steuern auf Finanzgewinne und Transaktionen. Hier müssten sofort viel höhere Steuern erhoben werden und dementsprechend weniger Abgaben auf Löhne und Gehälter. Das wäre gerecht.

Den Finanzüberschuss kann man aber durch Steuern auf Umsatz und Einkommen nicht so schnell wieder beseitigen, sondern nur durch Vermögensabgaben.

Das einfachste Mittel ist eine satte Erbschaftssteuer. Die Erbschaftssteuer ist gar keine Steuer, sondern eine Abgabe auf Übertragung von Vermögen, das jemand ohne eigene Leistung bekommt. Diese Abgabe ist leicht zu realisieren. Man kann sie über 25 Jahre strecken, damit nicht Familienbetriebe durch die Erbschaftssteuer ruiniert werden. 25 Jahre lang 2% sind vertretbar, das ergibt 50%.

Aber der Staat agiert für den Reichtum der Finanzwelt. Und
dort besteht ein großes Interesse daran, dass alles so weiter läuft wie bisher; denn so groß war der Gewinn durch reine Finanzgeschäfte noch nie. Für die Großgeldbesitzer kommt es darauf an, dass dieses System so erhalten bleibt. Sie haben sich bequem darin eingerichtet und sie beherrschen die Welt per Mausklick.

Der Manager von Black Rock, Larry Fink, betreibt eine der größten privaten Rechenanlagen der Welt. Damit registriert er alle Bewegungen an allen Börsen und sein System ist in jeder Sekunde genau informiert. Alles, was passiert, wird statistisch ausgewertet. Und je größer die Menge an Daten über die Bewegungen der Börse, desto genauer kann man den Trend der Bewegungen abschätzen.
Das ist komplizierte Statistik.

Solche Methoden der statistischen Physik ermöglichen es auch seit einiger Zeit, mit Großcomputern das Wetter ein paar Tage vorher zu sagen, obwohl die einzelnen Bewegungen der Atmosphäre nicht vorhersehbar sind. So ähnlich kann man mit Statistik auch die Wetterlage an der Börse abschätzen.

Das Finanzsystem wird dadurch ein wenig ausbalanciert, allerdings nur zu Gunsten der allergrößten Akteure.
Es gibt einige Institutionen, die das Finanzsystem von sich aus beeinflussen können: Die FED, die EZB, der Internationale Währungs-Fond und Unternehmen wie Black Rock. Sie haben das System aber nicht unter Kontrolle, weder die Geldmenge, die unkontrolliert steigt, noch die Aktionen der unberechenbaren Teilnehmer. Und niemand kann diese Entwicklung zum Stillstand bringen. Die Gefahr, die vom überschüssigen Geld ausgeht, wächst mit der Geldmenge und die nimmt ständig zu.

Für 90% aller Menschen ist der Finanzüberschuss völlig wertlos und unsinnig, er spaltet die Gesellschaft in zwei Lager. Auf der einen Seite sind diejenigen, die Geld nur mit Geld verdienen. Sie operieren mit Zahlen auf dem Finanzmarkt.

Auf der anderen Seite sind alle, die ihr Geld zum Leben brauchen und zum Geldverdienen ihre Zeit opfern. Dabei geht es um Löhne und Gehälter, die im Vergleich lächerlich niedrig sind, die aber durch die Menge, durch die große Zahl der Normalbürger, das Einkommen des Staates garantieren.

Die reale Wirtschaft ist beschwerlich und mühsam. Es werden Pläne entworfen, Fabriken errichtet, neue Produkte entwickelt, Leute eingestellt, Leute entlassen, Waren verkauft, Marketing, Konkurrenz…
Das Geldverdienen in der Finanzwelt dagegen ist viel einfacher. Man hat nur ein einziges Produkt und das ist Geld, eine Zahl, die man mit Mausklick verschiebt und wie in einem Glücksspiel auf bestimmte Felder setzt.

Dabei wird im Schnitt immer ein satter Gewinn erzielt, weil das Geldvolumen steigt. Die Voraussetzung für dieses Spiel ist allerdings, dass man genug Finanzen hat. Mit einer Million ist da nicht viel zu machen.

Wer ein paar Millionen zu viel hat, kann sie bei Black Rock einlegen, er kann aber nicht selber agieren wie dieser Fond. Für das, was Larry Fink macht, muss man erst mal über etliche Milliarden an Spielgeld verfügen und dieses Geld in Form von Anlagen systematisch über die ganze Welt verteilen.

Die Finanzwelt dominiert die reale Wirtschaft wegen der leicht erzielbaren Gewinne.
Dazu ein Beispiel:

Nehmen wir an, der Finanzchef eines Konzerns hat hundert Millionen Dollar Überschuss. Er könnte damit ein neues Produkt entwickeln oder eine Fabrik in einem Entwicklungsland bauen oder eine innovative Firma kaufen.
Das alles erscheint ihm aber zu mühsam.
Er kann mit dem Geld auch die Aktien seiner eigenen Firma an der Börse kaufen, dann steigt deren Kurs. Und wenn er Glück hat, ziehen ein paar Spekulanten mit und der Kursanstieg verstärkt sich.
Was hat der Manager davon?

Er hat das Shareholder Value der Firma erhöht und bekommt Bonus-Zahlungen. Vielleicht wird ein Teil seiner Vergütung in Aktien ausbezahlt, um so besser. Was geschieht also?

Man setzt Geld dafür ein, um mit den eigenen Aktien zu spekulieren, anstatt die Firma zu entwickeln. Dieses Geschäft lohnt sich auch dann, wenn man einen Kredit aufnimmt, um seine eigenen Aktien zu kaufen. Man nimmt einen Kredit auf, um sich selbst zu kaufen! Es ist verrückt, aber im Finanzsystem ist es erfolgreich.
Das wird dadurch noch vom Staat gefördert, dass Zinsen von der Steuer absetzbar sind.

Die hohen Einkommen der Spitzenmanager in den Aktiengesellschaften haben also einen höheren Sinn: Sie sollen die Interessen der Manager denen der Finanzwelt angleichen. Sie arbeiten dann nicht mehr für das operative Geschäft ihrer Firma oder für die Qualität der Produkte oder für das Wohl der Belegschaft, nein, diese Manager arbeiten für die Marktkapitalisierung, das Shareholder Value. Das bedeutet, sie arbeiten weniger für den Erfolg der real existierenden Firma als für die Performance der Firma auf dem Finanzmarkt.

In den USA gehört das seit Jahrzehnten zur Praxis. Ziel des Managements ist nicht der Markt, sondern der Finanzmarkt.
Da muss man sich nicht wundern, dass die meisten amerikanische Industrieprodukte nicht mehr mit europäischen und asiatischen Produkten konkurrieren können.

Amerikanische Autos will niemand mehr haben und auch Boeing ist nicht mehr besser als Airbus.
Führend sind die USA noch auf dem Sektor Software und Internet: Suchmaschine Google, Kontaktmaschinen Facebook und Twitter, Downloads und Spiele. Die Hardware kommt aus Asien. Die Handelsbilanz der USA ist seit vielen Jahren negativ, die USA exportieren an erster Stelle Geld.

Nur auf einem Gebiet ist die Industrie der USA noch beherrschend, bei der Produktion und dem Export von Waffen. Die amerikanische Wirtschaft braucht Waffenexporte.

Die Finanzwirtschaft hat das große Geld durch hohe Gewinnmöglichkeiten an sich gerissen und dabei die zivile Industrie der USA ausgelaugt. In der realen Wirtschaft der USA ist der stärkste Wirtschaftszweig der militärisch-industrielle Komplex.
Das lenkt die Wirtschaft hin zur Kriegswirtschaft.

Für den Export von Waffen wird Druck ausgeübt, besonders auf Deutschland: mehr Geld für die Rüstung. Das Problem ist, dass Deutschland keine Feinde hat. Aber das macht nichts. Genau wie die USA kann man sich überall einmischen.
Waffen sind ein Geschäft, das viel Geld einbringt, deshalb werden überall Konflikte geschürt. Finanziert wird das in den USA durch den riesigen Staatskredit von einer Billion Dollars im Jahre 2019. Für 2020 sind 1,2 Billionen vorgesehen.

Die Geldmenge wächst durch Kreditaufnahme und Schulden und mit steigender Geldmenge steigen automatisch die Einnahmen auf dem Finanzsektor; denn wo mehr Geld zirkuliert, kann mehr Gewinn und Provision abgeschöpft werden.

Die Umverteilung von unten nach oben wird durch die Aufnahme von Schulden beschleunigt. Das gilt auch dann, wenn die Zinsen bei Null sind. Es gilt für alle Kredite, ganz besonders aber für Staatskredite, weil das die größten sind.
Das ist ein Effekt, der häufig nicht beachtet wird: Durch Staatsschulden wird die Geldmenge erhöht und so die Umverteilung von unten nach oben gefördert. Die Löhne und Gehälter bleiben unten, sie reichen zum Leben. Auch das Einkommen der Bessergestellten reicht nur zum besseren Leben, es reicht nicht, um in die Finanzwelt aufzusteigen, wo das Geld sich ohne Leistung von selbst vermehrt.
Die Schere zwischen den unteren 90% auf der einen und den Superreichen auf der anderen Seite öffnet sich durch die leistungslose Geldvermehrung immer weiter.

In der jetzigen Phase wird das meiste Geld nicht mehr in die reale Wirtschaft gesteckt, sondern es bleibt schieres Geld, Geld ohne Wirtschaftskraft. Was in der Finanzwelt geschieht, ist eine Zirkulation von Geld um sich selbst, es ist die reine Finanzherrschaft. Warum ist das so?
Weil die Staaten und die gewählten Regierungen nicht zu Gunsten der Wähler eingreifen.

Das wäre Demokratie.
Demokratie gibt es in der Finanzwelt nicht.
In der Demokratie zählt die Zahl der Stimmen. In der Finanzwelt zählt nur die eine Zahl, die Geld bedeutet.

Die Regierungen demokratischer Staaten haben sich seit 40 Jahren auf die Seite der Finanzmacht geschlagen. Erst in den USA, dann in Großbritannien, dann fast überall, auch bei uns. Warum? Fragt die regierenden Politiker.

Vom riesigen Geldüberfluss im Finanzsektor merkt man nichts, wenn man sein Geld am Monatsende bekommt und im Supermarkt wieder ausgibt. Vom Überfluss der großen Zahlen in der Finanzwelt ist nichts zu spüren, weil das Geld bei den Normalbürgern knapp ist und sein Erwerb ist schwierig.

Es ist heute schwieriger, an Geld zu kommen, als vor vierzig Jahren, aber es ist viel mehr Geld vorhanden. Wie kann das sein? Fragt die Politiker, die das zugelassen haben. Fragt sie, wo das Wirtschaftswachstum gelandet ist, mit dem sie immer Reklame für ihre Wiederwahl gemacht haben.

Die plausibelste Antwort auf diese Fragen ist folgende:
Die regierenden Politiker haben die Ideologie der Finanzwelt übernommen. Nämlich, dass Geld von sich aus einen höheren Wert hat und dass der Sinn ihres Handelns die Bewegung von Geld ist.
Die Medien, die uns eigentlich einen kritischen Überblick verschaffen sollten, vertreten statt dessen seit vielen Jahren nur noch die Ansichten der regierenden Politikerinnen und damit gleichzeitig die Ansichten der globalen Finanzwelt.
Und die große Masse der Leute in der freien westlichen Welt, die lassen sich das gefallen.

Ich persönlich habe mich schon lange entschlossen, mir das nicht gefallen zu lassen. Ich habe mich den oppositionellen Medien im Internet angeschlossen. Ihr kennt sie vielleicht: Telepolis, KenFM, NachDenkSeiten, Rubikon.

Mein Ziel ist Anregung zum Protest und zu neuen Ideen. Solche Texte habe ich auf die Webseite kritlit.de gestellt. Das kann man sich leicht merken: kritlit bedeutet kritische Literatur, so wie Thermomix Thermometer für Mix-Getränke bedeuten könnte.

Zum Schluss mein Dank an das aufmerksame Publikum und besonders an die Leute von attac Wuppertal, die diesen Vortrag organisiert haben. Wenn es gewünscht ist, können wir noch eine Runde diskutieren und Fragen beantworten.

Danke an den Autor Rob Kenius für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags. Quelle und Copyright Rob Kenius.

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